In unserer Schule gehört Tod und Trauer leider zum Schulleben dazu.
Derzeit absolviere ich eine Weiterbildung zur Schulseelsorgerin. Im Rahmen meiner Weiterbildung durfte an unserer Außenstelle in Gaggenau ein besonderer Ort entstehen. Ein Ort für Trauer und Gedenken, ein Ort der Erinnerung, ein Ort zum Innehalten.
Wenn eine Schülerin oder ein Schüler unserer Schule stirbt, werden alle am Schulleben Beteiligten damit konfrontiert, Abschied nehmen zu müssen. Wir können den Tod nicht verschweigen und die ganze Schulgemeinschaft trauert. Natürlich ist es für uns nicht leicht, den Mitschülerinnen und Mitschülern diese Nachricht zu überbringen. In den Klassen ist die Trauer dann spürbar. Dafür braucht es keine Worte. Danach richten wir dann zusammen einen Trauertisch. Wir überlegen uns, was hat das Kind gerne gemacht? Wofür hat es sich interessiert? So wird dann der Tisch gestaltet und steht für einige Wochen an einem bestimmten Platz in unserem Schulhaus. Jeder in unserer Schule hat so die Möglichkeit an diesem Tisch zu verweilen, etwas in ein Buch zu schreiben oder einen schönen Gegenstand dort abzulegen. Allerdings haben wir als Schule uns noch etwas Zeitloses gewünscht, das nicht nach einer gewissen Zeit wieder weggeräumt werden muss, und damit war die Idee des Erinnerungsplatzes geboren.
In Absprache mit der Schulleitung habe ich dafür Trauerstelen entworfen und mich oben auf der Stele für ein Herz als Symbol entschieden, das für Liebe und Wärme, Menschlichkeit, Zusammenhalt und Respekt steht. Diese Stelen sollen an unsere verstorbenen Schülerinnen und Schüler erinnern. Wir möchten damit einen sichtbaren Ort für Trauer und Gedenken für unsere Schulgemeinschaft schaffen. Ein Ort der den Familien der verstorbenen Schülerinnen und Schüler, unseren aktuellen Schülerinnen und Schülern, Kolleginnen und Kollegen und allen am Schulleben beteiligten Halt gibt und Trost spendet. An den beiden Seitenstelen wurden mittlerweile noch die Namen der verstorbenen Schülerinnen und Schülern angebracht.
Zur Eröffnung des Erinnerungsplatzes gab es eine Erinnerungsfeier. Alle Familien der verstorbenen Schülerinnen und Schüler, die Sponsoren und alle am Schulleben Beteiligten waren eingeladen. Sabine Kohmann vom Kinderhospizdienst Baden-Baden hat eine Rede gehalten. Sie fand besondere, einfühlsame und wertschätzende Worte für die betroffenen Familien, aber auch für unsere Schulgemeinschaft. Sie hat mich von Anfang an in meiner Idee unterstützt. Ein Team aus Schülerinnen und Schülern, Kolleginnen und Kollegen hat eigens für diese Feier ein Mitmachlied mit Trommeln, Schmetterlingen, Seifenblasen und Steinen vorbereitet.
Bei den Eltern der verstorbenen Schülerinnen und Schülern ist das Projekt auf große Zustimmung gestoßen. Sie spüren, dass ihre Kinder bei uns nicht vergessen sind. Es gibt immer wieder positive Rückmeldungen zu unserer Feier und unserem neuen Trauerort. Dieser Platz darf weiterwachsen.
Ohne tatkräftige und finanzielle Unterstützung von Sponsoren könnte so ein Projekt nicht entstehen. Das Projekt wurde unterstützt und gefördert von:
Sonderanfertigung der Stelen, produziert von der Firma Kronimus AG Iffezheim, Leon Kronimus. Round Table 227 Baden-Baden hat in einem „Hand- on“-Projekt aktiv an den Stelen mitgewirkt und das Projekt mit einem finanziellen Beitrag unterstützt. Die Firma Grün System Bau, Rheinmünster hat die Stelen an unsere Außenstelle fachgerecht eingesetzt und montiert.
An den Stelen ist immer Bewegung. Es ist immer was los. In der Zwischenzeit waren manche Familien wieder da und auch Großeltern der verstorbenen Schülerinnen und Schülern. Unsere aktuellen Schülerinnen und Schüler sind oft dort zu beobachten. Es werden Blumen abgelegt oder auch am Geburtstag was vorbeigebracht. Es ist immer lebendig dort. Das ist gut so.
Ich danke von Herzen allen Beteiligten für Ihre Unterstützung, Wärme, einfühlsamen Worte und die Teilnahme an der Erinnerungsfeier.
Silke Schiel